Dienstag, 20. Oktober 2015

Gedanken zu: Eifersucht, Trotz und Wut

In den vergangenen Tagen ist mir bewusst geworden, dass ich manchmal ganz schön eifersüchtig auf meinen kleinen Sonnenschein bin.
Nicht wegen seiner Spielsachen - ja, Lego-Duplo ist super, aber nach dem 100. Mal das Flugzeug wieder zusammenbauen, bin ich nicht mehr wirklich so euphorisch dabei.
Ebenso nicht wegen seiner Kleidung. Auch wenn die Sachen wesentlich cooler sind als das was wir in den frühen 80igern angezogen bekommen haben (obwohl das noch bei weitem besser war, als das, was die damals schon Erwachsenen anhatten ^^). Aber ich bin ja ein Mädchen und ich bin meiner burschikosen Phase doch schon ein paar Jahre entwachsen ;)
Seine Haare sind zwar prächtig, aber da er sie sich weder waschen noch frisieren lässt, sind sie derzeit von Traumhaaren ein paar Kilometer entfernt.
Sein Mut geht auch gerade soweit, dass wenn er z.B. eine Armbanduhr zwar spannend findet, ihm diese dann aber ans Ohr gehalten wird, er in Panik ausbricht. Also, auch noch ein Thema mit Entwicklungspotenzial.



Ich bin eifersüchtig, weil er jederzeit zu 100% er selbst sein kann. Ich bin eifersüchtig, weil er all seine naturgewaltähnlichen Emotionen mit seinem ganzen Körper, mit seiner Stimme und jedem Funken an Energie ausdrücken kann. Ich bin eifersüchtig auf diese Freiheit mit der er seinen Platz in dieser Welt einnimmt.

Das ist natürlich ein starkes Wort: Eifersucht.

Es spiegelt in keinster Weise die Beziehung zwischen uns wieder. Wir sind tief miteinander verbunden, knuddeln viel, lachen bis uns die Tränen kommen, tanzen wie von Taranteln gestochen durch die Wohnung, verwandeln das "fertig für den Kindergarten und raus in den Regen machen"-Ritual in ein Musical in dem wir all unsere Dialoge inbrünstig singen (Michael Mittermayer hätte seine Freude - das ganze Programm ist ein Schmankerl, aber ab 57:00 seht ihr, was ich meine ;) ) und haben sogar unsere eigenen Geheimsprache, die niemand anderer kennt.

Aber manchmal, wenn ich nach einem Moment, in dem ich echt an meine Grenzen gekommen bin und definitiv zu laut geworden bin, weil er die Rühreier, die ich für uns beide gemacht habe nicht teilen will und er sie daher lieber mitsamt seines Tellers mit Schwung durchs Wohnzimmer fetzt und gleichmäßig über den Raum verteilt, rückblickend darüber nachgrüble, wieso ich jetzt gar so aufgebracht war, merke ich, dass ich vor allem damit kämpfe, dass ich die Wut nicht genauso rauslassen kann wie er. Da ist sie ja trotzdem, aber ich kann eben nicht genauso meinen Teller durch den Raum schmeißen - auch wenn mir in dem Moment noch so sehr danach wäre.
Und genau darauf bin ich eifersüchtig.

Wie gerne würde ich auch ohne danach stundenlang von schlechtem Gewissen geplagt zu sein herumbrüllen, mit Dingen schmeißen, mich auf den Boden werfen oder Elefantentränen drücken, wenn es im Bauch brodelt.

Wut runterzuschlucken ist natürlich nicht gesund, sie kontrolliert auszudrücken erfordert enorme Selbstkontrolle. Jeder der Kinder im Kleinkindalter (und ich schätze mal, dass in der Pubertät auch noch Einiges auf uns zukommen wird) hat wird nachvollziehen können, wieviel Kraft es manchmal kostet mit diversen aus heiterem Himmel über uns hereinbrechenden Wutanfällen der Kleinen zurechtzukommen. Wenn der Kleine nun doch nicht getragen, sondern selbst von der Küche ins Wohnzimmer gehen will, obwohl er zwei Sekunden davor noch auf Tragen bestanden hatte.
Wenn das Brot keinesfalls halbiert hätte werden dürfen und deshalb das Spielauto durch die Wohnung fliegt. Weil ich die Kissen wieder aufgehoben und zurück aufs Sofa gelegt habe. Weil das Lightning McQueen T-Shirt noch nicht trocken ist. Und so weiter.

Manche Ausbrüche dauern nur ein paar Minuten, aber manchmal wird auch 40 Minuten getobt. Um dabei einigermaßen mein Zen zu behalten hilft mir eigentlich nur für ein paar Minuten in meinem Zimmer zu verschwinden, einmal selber die Kissen auf den Boden zu werfen, durchzuatmen um dann wieder entspannt zu der Situation zurückzukehren. Dann kann ich wesentlich ruhiger sagen, dass es mich verärgert, dass jetzt die Rühreier an der Wand, im Teppich und zwischen den Büchern kleben, oder was auch immer eigentlich gar nicht geht.

Das ist ja in Ordnung zu sagen, dass man sich ärgert und sollte auch gar nicht vorenthalten werden. Im Idealfall sollten wir als Eltern, beziehungsweise als Menschen allgemein ja authentisch sein. Umso eher lernen unsere Kinder dann, dass alle Emotionen in uns richtig und in Ordnung sind und es auch gut ist, diese zu kommunizieren. Denn das macht sie kontrollierbarer. Unterdrückte Emotionen sind hingegen unberechenbar.
Wir als Erwachsene können sie nicht mit der selben Urgewalt wie unsere Kleinen rauslassen, denn das kann anderen und uns selbst schaden. Wir können es uns aussuchen, WIE wir unsere Emotionen ausdrücken. Und damit kommt die Verantwortung darüber, die die Kleinen erst langsam lernen.

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