Freitag, 15. Dezember 2017

Gedanken zu: "Forschungsbeauftragte am Institut für Kinderentwicklung und zwischenmenschliche Beziehung"

Gestern wurde von einem wundervollen Wiener Wunderweib (für alle die sich jetzt wundern, das ist eine Facebook Gruppe ;) ) folgender Text gepostet, der mich sehr angesprochen hat (leider ohne Quelle, aber wer auch immer den Text ursprünglich verfasst hat - DANKE!!!):

Eine Frau namens Emily ging zum Amt, um ihren Führerschein zu verlängern. Als die Beamtin nach ihrem Beruf fragte, zögerte Emily, da sie nicht genau wusste, was sie offiziell sagen soll.
"Ich meine", sagte die Amtsfrau, "haben Sie einen Job oder sind Sie nur...."-
"natürlich habe ich einen Job - ich bin Mutter", fiel Emily ihr ins Wort.
"Mutter ist keine offizielle Berufsbezeichnung. Also: Hausfrau", sagte die Beamtin.
Ich hatte diese Geschichte schon völlig vergessen, bis ich mich eines Tages in der gleichen Situation wiederfand. 
Die Dame bei mir am Schalter war offensichtlich eine Karrierefrau - effizient, selbstbewusst und sie legtewahrscheinlich großen Wert darauf, einen hochtrabenden Titel wie "Höhere städtische Registrierungsbeamtin" oder "Behördliche Fragenstellungsbeauftragte" zu haben.
"Ihr Beruf?" fragte sie mit abschätzigem Blick. Ich habe keine Ahnung, was dann mit mir passierte, aber diese Worte kamen spontan über meine Lippen: "Ich bin Forschungsbeauftragte am Institut für Kinderentwicklung und zwischenmenschlichen Beziehungen."
Sie hielt inne, den Kugelschreiber kurz über dem Formular festgefroren, und sah mich an, als hätte sie sich verhört. Also habe ich langsam und deutlich wiederholt, die wichtigsten Worte betonend. Und dann konnte ich mit einem inneren Kichern dabei zusehen, wie sie versuchte, den Titel in das kleine Formularfeld einzutragen.
"Dürfte ich wohl fragen", sagte die Beamtin mit vorsichtigem Interesse, "was Sie an Ihrem Institut genau machen?"
Ich hörte mich voller Selbstbewusstsein und ohne Zögern sagen: "Ich führe ein Langzeit-Forschungsprogramm (welche Mutter tut das nicht) im Labor und in der Feldforschung (also drinnen und draußen) durch. Ich arbeite gerade an meiner Professur (als professionelle Familienmanagerin natürlich) und habe bereits vier Auszeichnungen bekommen (alles Töchter). Das alles ist natürlich höchst anspruchsvoll und meistens arbeite ich 14 Stunden oder mehr am Tag (eigentlich ist man ja 24 Stunden in Bereitschaft). Der Job ist definitiv eine größere Herausforderung als irgendwelche Allerwelts-Karrieren in der Wirtschaft oder so, aber dafür ist der Lohn auch viel besser und zufriedenstellender  als alles Geld der Welt."
Man merkte, wie die Dame immer respektvoller wurde, am Ende hat sie mich sogar persönlich zur Tür begleitet.
Als ich danach in unsere Einfahrt fuhr, voller Freude über meine neue, glamouröse Karriere, wurde ich von meine Laborassistentinnen begrüßt - 13, 7 und 3 Jahre alt. Ich konnte unser neues Forschungsmodell im Kinderentwicklungsprogramm (6 Monate alt und zuckersüß) dabei hören, wie es ein neues Vokalmuster ausprobierte.
Ich fühle mich fantastisch. Ich habe die Bürokratie besiegt! Und ich bin jetzt in den Akten jemand Bedeutenderes als einfach "nur Mutter".
Mutter: Was für eine wundervolle Karriere! Werden dann Großmütter eigentlich so "Senior-Forschungsbeauftragen am Institut für Kinderentwicklung und zwischenmenschliche Beziehungen"? Ich glaube schon. Und Tanten sich "Wissenschaftliche Forschungsmitarbeiter"...

Der Text hat in mir einige Gedanken ausgelöst, denn wie oft denke ich selber abschätzig darüber, dass ich im Augenblick in erster Linie "nur" Mama bin? Mein Großer ist jetzt fünf Jahre, mein Baby sieben Monate alt. Ich bin wirklich sehr gerne Mama. Als mein Großer nur ein paar Tage alt war hatte ich einen Epiphaniemoment in dem mir ganz klar wurde, dass ich dafür geboren wurde Mama zu sein. Ich will nichts davon missen, auch wenn es oft so anstrengend ist, dass ich manchmal nicht mehr weiß, wo ich noch Energiereserven für die nächste durchwachte Nacht haben könnte. Aber es geht. Was Liebe bewirken kann...

In den letzten Monaten waren meine beiden Schätze leider abwechselnd mehr oder weniger dauernd krank. Wir waren öfter mal im Spital, teilweise nur ambulant, aber auch stationär (nebenbei die Ärzte und Schwestern von der Kinderabteilung im Wilhelminenspital sind sensationell!!!), dann fast vier Wochen Dauerquarantäne wegen Kinderkrankheiten, und so weiter. Und so fühle ich mich im Augenblick ganz schön eingesperrt und isoliert von der Welt. 
Jede Menge Ideen für Projekte hätte ich ja, aber ich komme einfach nicht dazu mal in Ruhe darüber zu brüten und konkrete Schritte zu setzen, um diese Richtung Realisierung zu bringen. Hab ich mal zwei Stunden für mich bin ich einfach so fertig, dass ich zumindest eine dafür brauche um mich mal etwas auszurasten, oder einfach mal nur hinzusetzen, oder was zu essen.
Dann geht´s ohnehin schon wieder los mit diversen haushalterischen und kinderversorgenden Tätigkeiten weiter, weil sonst das Chaos, dass sich sofort nachdem alles mal seine Ordnung gefunden hat, binnen Sekunden wieder ausbreitet, noch größer wird.

Engelchen und Teufeleien auf linker und rechter Schulter aufgeteilt befetzen sich gerade:
Teufelchen: Sei nicht so ein Jammerlappen.
Engelchen: Hast du denn gar kein Mitgefühl?
Teufelchen: Nein, warum sollte ich. Sie ist selber schuld.
Engelchen: Red doch nicht so einen Blödsinn!
Teufelchen: Na was denn sonst? Hat sie ja keiner dazu gezwungen Kinder zu haben.
Engelchen: Aber sie macht ihre Sache richtig gut! Sie ist einfach nur erschöpft und deshalb ein bisschen frustriert.
Teufelchen: Und warum muss ich mir dann diese Semperei anhören?
Engelchen: Kannst ja weghören.
Teufelchen: Ha ha!
Engelchen: Du bist kindisch!
Teufelchen: Nein, du bist kindisch!
Engelchen: Nein du!
Teufelchen: Nein du!
.....
Ich: Hey! Könnt ihr einfach mal ruhig sein!?!
Beide schauen mich verdutzt an.
Ich: Danke!

Sehr hilfreich.....
Aber im Ernst. Warum machen wir uns als Mamas selber so nieder? 
Warum ist das, was Mamas alles machen in der Gesellschaft soviel weniger Wert als, sagen wir mal das, was ein Manager einer großen Firma macht?
Ich würde gerne sehen, wie der/die/dasjenige den gleichen Job (ohne Aufgaben auf andere zu delegieren!) schupft.
Schauen wir uns an, was der/die/dasjenige monatlich aufs Konto überwiesen bekommt und das was eine Mama NICHT bekommt, dann zeigt sich ganz deutlich, wie es mit der Wertschätzung Mamas gegenüber aussieht.... ich stoppe das Thema jetzt an dieser Stelle, denn wenn ich jetzt weiterschreibe, dann wird das so ausufernd, dass ich einen ganzen Roman (basierend auf realen Begebenheiten) verfassen könnte.
Es IST frustrierend wenn man rausschaut in die Welt. Mir ist schon klar, dass Wertschätzung auch von innen kommt, aber eben nicht nur.
Es wird die Zeit kommen in der ich mich meiner in der Gesellschaft weit höher angesehenen Karriere widmen kann und meine kreative Energie auch wieder mehr zum Zug kommt. Und ich habe das leise Gefühl, dass ich mit einer gewissen Wehmut auf die Zeit zurückblicken werden in der mich meine Kinder noch so gebraucht haben wie jetzt und dass diese dann viel zu schnell vorbeigegangen sein wird... 

Vielleicht ist das auch ein guter Zeitpunkt um mal unseren Mamas zu danken und zwar von ganzem Herzen. Ohne Anlass (zB Muttertag). Einfach so. Einfach so wertschätzen, was Mamas für uns alles getan haben und immer noch tun, lange nachdem wir aus dem Nest geflogen sind. 

An meine Mama:
Danke für all deine Liebe, deine Kraft, deine Energie.
Danke, dass du immer für uns da bist egal ob draußen die Sonne scheint oder es stürmt und schneit.
Danke für all deinen Einsatz für uns, ganz besonders in den schwierigsten Situationen deines Lebens, in denen wir uns trotzdem nie alleine gefühlt haben, sondern aufgefangen in deinen großen Engelsflügeln.
Danke, dass du uns gezeigt hast für sich und andere aufzustehen und einzustehen, für das was uns wichtig ist, auch wenn gegen den Strom schwimmen viel Mut erfordert.
Danke für deinen unschlagbaren Humor, deine Freundschaft, dein Vertrauen und deinen Glauben an uns und unsere Fähigkeiten.
Ich liebe dich über alles!






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